ROCKSPIRIT PRESS November 2004

BOOGIE STUFF - 15 Years Anniversary & CD Release-Party "Have Mercy"
30. Oktober 2004, Rockhouse-Bar, Salzburg

Es ist ja nett, nach langer Zeit wieder mal eine Konzertkritik zu verfassen. Umso angenehmer ist es, dass der Anlass dazu die 15 Jahres-Feier samt CD-Präsentation von Boogie Stuff, einer Band welche eigentlich auf ganz andere Bühnen als die feine kleine in der Salzburger Rockhouse-Bar gehört, war. Und nicht gerade unerwarteter Weise war dieser "Event" ein wahres Glanzlicht in einem "House", welches zwar "Rock" in seinem Namen trägt, aber dieses - wie es scheint - seit einiger Zeit vergessen haben mag. Nicht verwunderlich also, dass die kleine Halle gefüllt war mit Menschen, die niemand verdrängen kann, die trotzdem noch ins House gehen, obschon es ihnen nicht leicht gemacht wird, ohne die es aber dieses House wohl auch derart nicht geben würde. Aber nun zu wichtigerem!

Kurz nach 21 Uhr ging es los. Mr. Tolks (guitar & vocals) und seine "partners in crime" (Andy Brötzner - bass, Fred Forester - drums) gewohnterweise "tight" wie die Zahnpaste in der Tube und laut (aber dank der Tontechnik des House` klanglich perfekt ausgewogen)! Das Programm führte durch "Klassiker" aus 15 Jahren Boogie Stuff, vom 92 Debut-Album ("Down At The Doctors"), einer Anzahl von Songs vom letzten Werk "Rocking The Blues" ("Can You Hear Me Crying Baby"!!!!), einem heftigen "Gangsters Of Love" (dereinst als Single veröffentlicht mit Jimi & the Zodiacs), geschmackvoll und wohldosiert dazu Coverversionen von ZZ Top, Jimi Hendrix, Lips Inc., Atlanta Rhythm Section u.a., welche meist in eigenen Interpretationen das Programm abrundeten und naturgemäß dem Hauptteil der Songs des aktuellen und an diesem Abend präsentierten Albums "Have Mercy".

Und damit ist auch schon das Stichwort gefallen. Dieses Album ist exorbitant edel!!! Nicht nur dass die "gnadelosen Drei aus Bayern" mit Produzent Bobby Altvater (Sky-Music/München) nun genau den richtigen Mann für den Ton gefunden haben, der ihre Musik ins perfekte Licht stellt, nein diese Band hat uns endgültig verlassen. Es ist nicht mehr der Mief des mehrfachen Titels der regionalen Meisterschaft im Bluesrock, sondern dieser Schweiß riecht international und zwar verdammt noch mal nach Champions League!!! Hier wird kraftvoller und harter Rock geboten. Ein Schuss Blues, eine Brise Hardrock und jede Menge Shuffle-Groove sind die Inhaltsstoffe dieses Gebräues.

Auf dem Album gibt dann auch noch ein gewisser Jimmy Carl Black ein kurzes "Live-Stell-Dich-Ein" und das klingt als ob der Drummer von Frank Zappa´s Mothers of Invention ans Micro gewechselt hätte und sich mit Stevie Ray Vaughan (& Double Trouble) zum Blues-Summit getroffen hätte. Das mit dem ehemaligen Zappa Drummes stimmt, und zweiteres darf als Kompliment aufgefasst werden. Dennoch: Nötig haben es Boogis Stuff nicht, diese zweitklassige internationale Schützenhilfe mit an Board zu holen! Egal, Jimmy Carl Black fehlte an diesem Abend (er entschuldigte sich krankheitsbedingt!) sicher niemandem.

Es ist schon fein mit anzusehnen, wie diese Band, die ja auch nur mit Wasser kocht, dieses mit handwerklicher Perfektion und liebe zum Detail zum Brodeln bringt. (Spezialanfertigung der Micro-Ständer, hie und da ein eingeprobter Synchron-Move, Live Arrangements mit Dynamik bis zum Abwinken u.v.m.) Vielleicht sollte man aber auch gar nicht zu ergründen versuchen, warum diese Band derart überzeugt. Sie haben es einfach: CHARISMA (& Eier)!

Aufregend auch der Ablauf des Programmes, geschickt verbunden Höhepunkte, aufgelockert durch Instrumentalpassagen und Soloausflüge von Mr. Tolks, der übrigens endgültig auch die "Gitarrist der halt auch singt"-Rolle durch überzeugende Gesangsleistung gegen die Hauptrolle des wahren "Frontman" umbesetzt hat.

Aus dem gut 120-minütigen Konzert einzelne Songs herauszuheben ist schwierig, dennoch ein Versuch:

Dessert Night: Der beste Bryan Adams Hit seit 15 Jahren!

Work For A Living: Könnte auch ein Top-Ten Hit/Chart Erfolg für Boogie Stuff werden. Der Harmony-Vocal-Refain ist so nicht zu toppen!

Long Way To Memphis: Ein griffiger Konzert-Abschluss-Song - gut gewählt und ooops - scho wieda a Hit!

Don´t Believe A Word: Gesanglich weltmeisterlich, den Inhalt wirklich rüber gebracht, ich glaub` Dir das. Beim Solo werden selbst John Sykes & Gary Moore blass - beide haben´s ja auch probiert. Einzig- mir gefällt irgendwie das heftigere Arrangement von Thin Lizzy besser (hab ich ja auch schon von Boogie Stuff gehört).

Bad Boy & Can You Hear Me Crying Baby: Perlen des Songwritings! Ihr könnt es eben doch - mehr davon.
(j.e.-rockspirit)